Im Oktober 2025 fand in Saarbrücken der GovTech Hackathon Saarland statt - ein 48-stündiger Kreativ- und Programmiermarathon, bei dem Teams digitale Lösungen für Herausforderungen im öffentlichen Sektor entwickeln. Unser Co-Geschäftsführer Sven Hennessen nahm teil - und gewann mit dem Projekt OpenFlow.
OpenFlow: Verwaltungsprozesse endlich auffindbar machen
In Behörden wird oft parallel an denselben Problemen gearbeitet. Verschiedene Abteilungen implementieren identische Prozesse unabhängig voneinander, weil sie schlicht nicht wissen, dass es bereits etablierte Abläufe gibt. Neue Mitarbeiterinnen müssen sich durch Fachjargon kämpfen, und Wissen geht verloren, wenn erfahrene Kolleginnen in den Ruhestand gehen.
OpenFlow löst dieses Problem als zentrale Suchplattform für Verwaltungsprozesse. Nutzer*innen können in natürlicher Sprache Fragen stellen - zum Beispiel: "Wie beschaffe ich eine Software-Lizenz über 25.000 Euro?" - und erhalten:
- Relevante Prozesse mit Ranking nach Übereinstimmung
- BPMN-Diagramme zur Visualisierung der Abläufe
- Zuständige Ansprechpartner und Kontaktdaten
- Formulare und rechtliche Grundlagen
Das Demo-Szenario zeigt Sarah, eine neue IT-Mitarbeiterin, die einen Software-Beschaffungsprozess verstehen muss. Statt in Wikis zu suchen oder Kolleg*innen zu fragen, findet sie über OpenFlow sofort den passenden Prozess mit allen relevanten Informationen.
Der Code ist öffentlich verfügbar: github.com/vensas/govtech-hackathon-2025-openflow
Die technische Basis: F13 als souveräne KI-Plattform
OpenFlow nutzt F13 - eine modulare, Open-Source-KI-Plattform, die speziell für die öffentliche Verwaltung entwickelt wurde. Doch was genau ist F13, und warum ist es so bedeutsam für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors?
Die Entstehung von F13
Der Name F13 spielt auf die Funktionstasten F1 bis F12 einer Tastatur an. Die Idee: Eine neue Funktion bereitstellen, die wie F13 per Tastenkombination aufrufbar sein könnte.
Die Entwicklung begann 2022 im InnoLab_bw, dem Innovationslabor der baden-württembergischen Landesregierung. Der ursprüngliche Prototyp entstand in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger KI-Startup Aleph Alpha, während der IT-Dienstleister BITBW von Beginn an Hosting und Betrieb übernahm.
Mit der Einführung von F13 wurde Baden-Württemberg zum ersten Bundesland, das seinen Mitarbeiter*innen KI-Tools im eigenen Rechenzentrum zur Verfügung stellte. Ein wichtiger Meilenstein für datenschutzkonforme KI-Nutzung in der Verwaltung.
Open Source und übergreifende Zusammenarbeit
Seit Juli 2025 ist F13 als Open-Source-Software verfügbar - das größte länderübergreifende Open-Source-Kooperationsprojekt im Bereich Verwaltungs-KI in Deutschland. Aus der "First Mover Initiative" mehrerer Bundesländer entstand im August 2025 die F13 Community, und Anfang 2026 wurde Version 2.0.0 veröffentlicht.
Die Kernprinzipien von F13:
- Digital souverän: Kann auf eigener Infrastruktur betrieben werden
- Modellagnostisch: Nicht an einen bestimmten KI-Anbieter gebunden
- Von Verwaltung für Verwaltung: Entwickelt für die realen Bedürfnisse des öffentlichen Sektors
Modulare Architektur
F13 besteht aus mehreren spezialisierten Komponenten:
- Chat: Interaktion mit Sprachmodellen
- RAG (Retrieval Augmented Generation): Semantische Suche in Wissensdatenbanken
- Summary: Automatische Textzusammenfassungen
- Transcription: Audio- und Video-Transkription mit Sprechererkennung
- Parser: Dokumentenverarbeitung
Für OpenFlow war besonders der RAG-Service entscheidend: Er ermöglicht die semantische Suche nach Verwaltungsprozessen, ohne dass die eigentlichen Prozessdaten F13 verlassen müssen - ein wichtiger Aspekt für Datensouveränität.
Das Saarland als Vorreiter
Das Saarland zählt zu den Vorreitern bei der Einführung von F13. Staatssekretärin Elena Yorgova-Ramanauskas betonte: "Die Nutzung von KI ist ein echter Meilenstein in der Modernisierung unserer Landesverwaltung."
Das Bundesland arbeitet gemeinsam mit Hamburg und Nordrhein-Westfalen an einer spezialisierten Lösung zur Wissenskonservierung in der Verwaltung - ein Modul, das das Wissen ausscheidender Mitarbeiterinnen für Nachfolgerinnen bewahren soll.
Die Pilotphase startete im August 2025, unterstützt vom IT-Planungsrat und der Föderalen IT-Kooperation (FITKO). Die KI-Lösung verarbeitet Informationen lokal und verlässt nicht den europäischen Rechtsraum - ein entscheidendes Kriterium für die öffentliche Verwaltung.
Warum das wichtig ist
Die Erfahrungen beim Hackathon haben gezeigt: Die technische Infrastruktur für souveräne KI-Lösungen in der Verwaltung existiert. Projekte wie OpenFlow demonstrieren, wie diese Infrastruktur konkret genutzt werden kann, um echte Probleme zu lösen.
Die Kombination aus:
- Open-Source-Software für Transparenz und Kontrolle
- Datensouveränität durch lokale Verarbeitung
- Modularer Architektur für flexible Anpassung
- Übergreifender Zusammenarbeit zwischen Bundesländern
...schafft die Grundlage für eine digitale Verwaltung, die sowohl innovativ als auch vertrauenswürdig ist.
Weiterführende Links
- GovTech Hackathon Saarland
- OpenFlow auf GitHub
- F13 Open Source Projekt
- F13 bei eGovernment Computing
- Saarland setzt auf F13
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